Unterwasserwelt der Malediven

 

turtle_small.jpg (1785 Byte)

Die vielfältige und faszinierende Unterwasserwelt der Malediven ist wahrscheinlich für viele ein, wenn nicht sogar der Grund auf einer der kleinen Inseln seinen Urlaub zu verbringen. Gerade die komplexen Korallenriffe und ihre Vielzahl an Bewohnern sind sicherlich eine der schönsten und sehenswerten Schöpfungen im Meer. Auch wer nicht tauchen will oder kann hat hier auf den Malediven schon beim Schnorcheln die Möglichkeit vieles vom unbeschreiblichen Zauber der Unterwasserwelt kennenzulernen. Kaum ein Ökosystem auf dem Festland, evtl. der tropische Regenwald, bietet solch einen Reichtum an Lebensformen wie das Korallenriff. Eine kaum vorstellbare Farbenpracht und die überwältigende Muster und Formenvielfalt wird jeden in ihren Bann ziehen der das erste mal in diese Welt eintaucht. Wir wollen versuchen hier und auf unseren Unterwasserfotoseiten einen kleinen Einblick zu bieten. Für weitere Informationen sollte man  jedoch auf entsprechende Literatur zurückgreifen.

Die wohl wichtigsten Unterwasserlebewesen für die Malediven sind die arten- und formenreichen riffbauenden Steinkorallen , denn ihrer Fähigkeit dem Meerwasser Mineralien zu entziehen und Kalk abzuscheiden verdanken die Malediven ihre Existenz. Etwa 200 verschiedene Arten dieser Nesseltiere haben die Riffe der Malediven gebildet. Der Polyp der Steinkoralle (als Einzelindividuum) ist nur Millimeter groß und lebt sein ganzes Leben in seinem Kalkkelch. Er ernährt sich vom Zooplankton des Meerwassers wobei die Nahrungsaufnahme, wegen der vielen Fressfeinde, meist nur nachts zu beobachten ist. Eine besondere Beziehung haben sie zu ihren symbiotischen Mitbewohnern den Zooxantellen. Diese einzelligen Algen leben im Gewebe der Korallenpolypen und entfernen durch die Photosynthese das Kohlendioxid in seinem inneren. Der Polyp kann dadurch überhaupt erst Kalk absondern und das eindrucksvolle Bauwerk Korallenriff entstehen lassen. Das Wachstum der Koralle kann  2-10 cm jährlich betragen, wobei dies stark von den natürlichen Gegebenheiten sowie der jeweiligen Korallenart abhängt. Neben den riffbildenden Steinkorallen gibt es noch die Kalkrotalgen. Diese Riffbewohner benötigen erstaunlich wenig Sonnenlicht und können auch an dunkleren Stellen wie Vorsprüngen und Überhängen noch überleben. Aber auch Schwämme, Horn- und Weichkorallen, Seefedern, Haar-und Schlangensterne sowie Lederkorallen und viele Niedere Tiere die nicht unmittelbar aber doch wesentlich zum gedeihen des Riffes beitragen, bilden den Lebensraum Riff.

In einigen Inselbeschreibungen ist teilweise zu lesen, dass die Riffe angegriffen oder zerstört sind. Dies resultiert häufig auf Schäden durch die Dornenkrone, einer Seesternart, die auch auf den Malediven in den letzten Jahren in unnatürlich großer Zahl vorkommt und die Korallen abfrisst. Über den Grund für das verstärkte Auftreten und die Langzeitfolgen bestehen verschiedene Meinungen, jedoch wurden in Australien hierdurch große Schäden angerichtet und auch das Nord-Male Atoll gilt als bedroht. Hierfür beispielhafte Hausriffe waren seinerzeit bei Nakatcha und Ihuru.

Leider tragen in neuerer Zeit auch Klimaereignisse wie El-Nino ihren Teil zur globalen Wassererwärmung  bei, die dann den Korallenriffen und den darin lebenden Bewohnern das Leben schwer machen. So massiv und dauerhaft diese Bauwerke auch erscheinen, reagieren sie doch sehr empfindlich gegen alle Arten von Umwelteinflüssen. Zur Zeit sind hierdurch leider starke Schädigungen in den Riffen der Malediven zu beobachten, auch oder besser gesagt, besonders Schnorchler werden dies bemerken können was wir hier nicht verschweigen möchten.

Noch allerdings bilden die Korallenstöcke einen idealen Lebensraum für unzählige Fische und niedere Tiere. Zu den farbenprächtigsten am Riff zählen die etwa 30 cm großen Kaiserfische. Von etwa gleicher Größe ist der graue Doktorfisch, der mit einem gelben Rand umgeben ist. Etwa halb so groß sind die ebenso farbenfrohen Schmetterlingsfische. Schön anzusehen sind auch die schwarz-gelb gestreiften Wimpelfische, die eine verlängerte Rückenflosse besitzen, wenn sie in riesigen Schwärmen auftreten. Etwas versteckter leben die Schaukelfische die wie ein Blatt im Wind in der Strömung hin und her wedeln und daher kaum auszumachen sind. Auch Seenadeln, Anglerfische und viele Arten von Nacktschnecken erfordern genaueres hinsehen. Die meisten der hier lebenden Riffbewohner sind regelrechte Nahrungsspezialisten und nicht wenige abhängig von nur einer Korallenart deren Polypen sie fressen. Auch die Lebensräume und Reviergrößen der einzelnen Arten sind äußerst unterschiedlich und jede Art passt sich ihr perfekt an. Jedes der hier lebenden Geschöpfe lebt in seiner ganz eigenen Welt. Die Lebensräume im Korallenriff sind streng gegliedert und auch die kleinste Ecke wird bewohnt. Einige verteidigen ein Revier von nur wenigen Zentimetern Größe oder gar nur ein leeres Schneckengehäuse, andere dagegen durchstreifen sehr große Bereiche des Riffs und betrachten diesen dann als ihr alleiniges Zuhause, das gegen Artgenossen vehement verteidigt wird. Manch ein Riffbewohner nutzt die Verteidigungseinrichtungen anderer Meeresgeschöpfe zu seinem eigenen Schutz. Meist sind es kleine Krabben auf Seeigeln oder die allbekannten Anemonenfische die auf diese Taktik bauen. Die transparente Garnele in ihrer Anemone aber auch der Walhai am Außenriff, alle haben hier am und im Riff ihren Platz.

Auch gibt es Arten  wie z.B. der lange dünne Trompetenfisch der sich zur Tarnung oft an friedliche große Fische anschmiegt, um dann blitzschnell einen kleinen Fisch zu erbeuten der dies nicht bemerkt hat. Die blau-grün gefärbten Papageifische kann man oft beim Abnagen der Korallen beobachten, den Namen haben sie wegen dem Maul, dass an einen Schnabel erinnert. Dieser Riffbewohner trägt entscheidend zur Entstehung des Korallensandes bei. Muränen leben in Höhlen und gehen erst gegen Abend auf Jagd. In voller Größe sind sie selten zu sehen, da meistens nur ihr Kopf aus der Höhle ragt. Sie sind i.d.R nicht so aggressiv wie man meinen könnte, einen gewissen Abstand sollte man jedoch immer halten, da die Bisse sehr langwierige Wunden bilden können. Wenn man genau hinsieht entdeckt man oft an ihren Köpfen oder den Rändern ihrer Höhle kleine Putzergarnelen oder auch Putzerfische die sie von Parasiten befreien.  Farbenprächtig sind auch die wie Zebras gemusterten Süsslippen und die mit hellblauen Punkten übersäten Pfauenbarsche, die meistens einen festen Platz am Riff haben. Dicht unter der Wasseroberfläche sind die Horn- und Halbschnabelhechte zu finden, die dort nach Nahrung  jagen. Im flachen Wasser entdeckt man häufig auch den Stachelrochen, der sich gerne im Sand vergräbt. Auf großflächigen sandigen Zonen sind auch Röhrenaale zu sehen, die nur ihren Vorderleib ins Wasser strecken, dem vorbei treibendem Plankton nachjagen und bei Gefahr im Boden verschwinden. Hier findet der aufmerksame Beobachter auch die schlanken Grundeln neben ihrer winzigen Höhle liegen. Wer den Blick nicht abwendet wird auch bald die mit ihr in Symbiose lebende Garnele entdecken die ständig die gemeinsame Wohnung frei schaufelt.

Einen besonders interessanten Platz für Beobachtungen stellen die Putzerstationen dar an denen man irgendwann alle Fische wiedertrifft. Auch Raubfische wie Hai, Zackenbarsch oder Thun müssen gelegentlich eine Putzerstation aufsuchen um ihre lästigen Parasiten loszuwerden. Meist signalisieren sie es durch ruhiges verweilen mit abgespreizten Kiemendeckeln und offenem Maul über der Putzerstation, das sie geputzt werden möchten. Der Putzer sucht nun den gesamten Körper nach Parasiten ab, die er dann zusammen mit etwas Schleim der Haut zu seiner Malzeit macht. Auch schwimmen die Putzer ohne Risiko ins Maul und in die Kiemen der Fische um dort ihre Arbeit zu verrichten. Wer sich hier länger aufhält kann so manch neues entdecken. Überhaupt herrscht an der Putzerstation Waffenruhe, denn hier entfallen während der Wartezeiten die unsichtbaren territorialen Grenzen die sonst genauestens eingehalten werden. Sonst, und das ist der Normalfall, ist das Leben im Riff von ständigen Auseinandersetzungen und Revierkämpfen geprägt.

In Höhlen und Überhängen halten sich gerne die bis zu 3 Meter langen friedlichen Ammenhaie auf, sowie die Suppen- und Karettschildkröte, die wegen ihres schönen Panzers oft getötet wurde und nun unter Naturschutz steht. Die Eier der Schildkröten gelten auch heute noch als eine Delikatesse auf den Malediven. Im offenen Wasser findet man oft die bis zu einem Meter große Stachelmakrele und auch Barakudas die starr im Wasser stehen. Ebenso sind Pferdekopfmakrelen oder Thunfische die wie polierter Stahl  im Sonnenlicht glänzen, und im Verbund die Füsseliere jagen, hier nicht selten.

Ein üppig bewachsener und farbenprächtiger Platz ist die Riffkante am Hausriff, welche auch meist beim Schnorcheln erreicht werden kann. Die eng ineinander verzweigten Korallenäste bilden hier viele kleine Höhlen und Nischen die den unterschiedlichsten Tieren Unterschlupf gewähren. Oft finden sich hier die hübschen Kaurischnecken, Lobster und die witzigen Kofferfische, aber auch Kraken kann man hier bei einem Sonnenbad überraschen. Diese Tiere sind Meister der Tarnung und wer ihre Fähigkeit, Form und Farbe in Sekundenschnelle zu wechseln mal erlebt hat, wird dies sicher bestätigen. Hier trifft man auch häufig den bis zu 2 Meter großen Weispitzenhai. Aber auch die riesigen Füsselierschwärme und die Napoleonfische mit ihren rollenden Augen halten sich hier gerne auf. In größeren Tiefen und besonders in den strömungsreichen Gewässern der Riffkanäle sieht man die großen Schwarzflossen und Grauhaie. Mantas und Walhaie sieht man dagegen eher seltener. Im freien Meer vor den Atollen trifft man auf die von Fischern sehr begehrten Bonitos, Makrelen, großen Thunfische und Marlins. Hier kann man auch Delphine und mit etwas Glück  sogar Wale sehen.

Giftige oder gefährliche Riffbewohner?
Sicher, es gibt so manches Meerestier das über diverse Hilfsmittel im Überlebenskampf verfügt, aber die wenigsten stellen deswegen für uns eine Gefahr da. Eine ernstzunehmende Verteidigung besitzt der Steinfisch, der ruhig am Grund liegt und schwer zu erkennen ist. Das Gift seiner Rückenstacheln kann bei empfindlichen Menschen tödlich sein. Auch die diversen Rochen die sich im Sand verstecken können mit ihrem Stachel am Schwanz schmerzhafte Wunden hinterlassen ( also Augen auf und nicht nur, wie in den Reiseprospekten beschrieben, einfach Badeschuhe anziehen). Der ca. 30 Zentimeter große Rotfeuerfisch hat federförmige Flossen und Stacheln, die auch dem Menschen gefährlich werden können, die er jedoch nur zur Verteidigung nutzt. Seine Färbung entspricht oftmals eher einem braun statt einem rot. Die eine oder andere Nacktschnecke sollte man besser auch nicht berühren, da sie eine große Anzahl von Fressfeinden besitzen, sind die buntesten auch die Giftigsten. Die Kegelschnecken sind Vertreter mit Gehäusen, die ebenfalls ein sehr starkes Gift injizieren können. Im Grunde genommen hat auch jede Weichkoralle und Anemone ihr eigenes Gift (Nesselkapseln) parat, nutzt es aber nur zur Nahrungsaufnahme. Sollte doch jemand so unvorsichtig sein und mit ihnen in Berührung kommen hilft ein wenig Essig oder Zitronensäure oftmals über den Stechenden Schmerz hinweg.

Noch ein paar kurze Worte zum Verhalten in diesem Korallengarten:
Bitte versucht so wenig wie möglich, wenn überhaupt, anzufassen. Erkundigt euch in der Tauchbasis über die typischen Strömungen am Hausriff um keine bösen Überraschungen zu erleben. Sicher sind auch hier und da leere Schneckengehäuse zu finden die zum mitnehmen verlocken, aber versetzt euch in den kleinen Einsiedler, dem seine jetzige Wohnung zu klein geworden ist, eine neue Bleibe braucht, und diese dann auch finden muss. Vermeidet wo immer möglich das aufwirbeln von Sedimenten, die Korallenpolypen werden´s euch danken. Wir wollen hier auf keinen Fall jemanden bevormunden, aber bedenkt bitte immer wir sind nur Gäste im Riff.